Tagespflege Tagesmutter in Aktion

Aktion Tagesmutter in Not

Beruf Tagesmutter: Schlecht bezahlt und meist allein gelassen

Von Bruno Elberfeld     |  20.08.2008, 14:30
Frauwüllesheim. Kinder müssen sie gern haben, denn sie strahlt eine mütterliche Gelassenheit aus. Mit ihr können sie kuscheln, wenn Papi und Mami zur Arbeit sind. Kurz: Cornelia Rieger erweckt den Eindruck einer Frau, die das Herz auf dem rechten Fleck hat.

Zwei erwachsene Söhne sind schon aus dem Haus. Dann meldete sich Tochter Annika vor zehn Jahren an, und die gelernte Einzelhandelskauffrau musste umdenken. Wo könnte sie tagsüber ihre Kleine abgeben, während sie selbst arbeitete? Sie fand zunächst keine Möglichkeit. So wuchs bei ihr in drei Jahren Erziehungsurlaub die Idee, Tagesmutter zu werden, um sich und anderen Müttern die Möglichkeit zu geben, weiter ihrem Beruf nachzugehen. Sie machte die vorgeschriebenen Ausbildungen, erlangte 2005 nach mehr als 160 Unterrichtsstunden das Zertifikat «Tagesmutter».

Die Familie spielte mit. «Das muss ja alles nebenher laufen. Mein Mann arbeitet und ich muss eben alles zu Hause regeln», sagt Cornelia Rieger nicht ohne Stolz auf ihre logistische Leistung.

Nun ist Cornelia Rieger seit dreieinhalb Jahren selbstständige Tagesmutter in Frauwüllesheim. Die Arbeit mit den Kindern macht ihr großen Spaß. Aber da sind Gründe für eine große Unzufriedenheit, die sie und andere Tagesmütter umtreibt. Das ist das Geld, die am Monatsende unter dem Strich bleibt. Die Tagesmutter aus Frauwüllesheim meint, dass sie selbst noch privilegiert sei: «Mein Mann arbeitet bei der Feuerwehr. Der verdient Geld.

Alleinerziehende Tagesmütter driften wegen der geringen Stundenlöhne und der zukünftigen Steueränderungen in Hartz IV ab. » So sei es ihre und die Aufgabe der Kolleginnen und Kollegen, an die Öffentlichkeit zu gehen, um zum Beispiel über die ungleiche Bezahlung zu klagen: Cornelia Rieger fordert für alle Tagesmütter einen Stundenlohn von 4,50 Euro, bezahlt über das Jugendamt. Und dann kommt sie zum Thema Steuern: Die geplante Steuererleichterung ab Januar 2009 sei zu begrüßen, aber das reiche noch lange nicht aus, zumal bisher – und da wird die Neuerung zur Verschlechterung – alle über das Jugendamt gezahlten Gelder steuerfrei waren.

Auch die Frage nach der Alterssicherung beschäftigt die Tagesmütter. Ohne Zuschuss von den Jugendämtern sei eine angemessene Rente gar nicht zu erreichen, so Rieger.

Eine generelle Linie fordert die engagierte Tagesmutter in Sachen Unfallversicherung für die Tageskinder und bei der finanziellen Unterstützung für die Ausbildung zur Tagesmutter oder zum Tagesvater, die regional sehr unterschiedlich sei. Und zuletzt bemängelt sie auch fehlende Weiterbildungsmöglichkeiten. Cornelia Rieger möchte gerne auf dem neuesten Stand sein, wenn sie mit den ihr anvertrauten Kindern umgeht. Mit kleinen Informationen von Seiten des Kreises Düren wäre ja schon ein Anfang gemacht, sagt sie.

August 23, 2008 - Geschrieben von | Tagesmutter | , ,

4 Kommentare »

  1. Für Tagesmütter wurden seiner Zeit Sonderregelungen eingeführt, die dazu dienen sollten zum einen die Tagespflege günstig zu halten, zum anderen Tagespflegepersonen zu ermöglichen,etwas verdienen zu können. Mit der steuerlichen Neuregelung ab 2009 fallen diese Sonderegelungen der teilweise steuerfreien Gelder weg.

    Mir persönlich entsteht mit der Neuregelung ein Nettoverlust von 49%. Ich vertrete die Meinung, dass das Thema Tagespflege ganzheitlich behandelt werden sollte, bevor solche Neuerungen in Kraft treten. Es muss unbedingt dafür gesorgt werden, dass ein solch hoher Verlust von 49% nicht erst entstehen kann. Die Ungerechtigkeiten in der Behandlung der Zuschüsse für Krippen gegenüber der Tagespflege bedeuten weitere Hürden für uns Tagespflegepersonen, als auch für die Eltern. Es gibt nicht einmal eine finanzielle Begründung für ein solches Handeln. ich kenne Kolleginnen, die aufgehört haben, die aufhören werden, die nach ihrer Qualifikation gar nicht erst als TM anfangen, oder erseinmal abwartend handeln. Einige Kolleginnen nehmen erst einmal keine neuen Kinder auf. Der Bedarf an Betreuung ist allerdings enorm.Es ist bei vielen einfach nur ein Punkt erreicht, wo es heisst:” MIT MIR NICHT; ES REICHT

    !!!Krippenbetreuung wird immer gefördert, sobald der Krippenplatz zu belegen ist. Bei der Tagespflege wird nur gefördert, sobald die Eltern arbeiten. Hat die Tagespflegeperson eine freien Platz ab z. B. März zu vergeben, wird dieser z. B. erst im August gefördert, ab dem Zeitpunkt wo die Eltern wirklich ihre Arbeit antreten.

    In dem Falle müssten also die Eltern den Platz von März- August selbst bezahlen, sofern sie finanziell können und den Platz für ihr Kind möchten, oder die Tagespflegeperson hat eine Leerzeit, wenn sie den Platz nicht zwischenbesetzt bekommt. Es kann aber auch gut sein, dass die Tagespflegeperson das Kind dann erst gar nicht aufnimmt. Ich finde bei dem Thema Tagespflege, wird viel zu wenigt über das Wohl der Kinder gesprochen. Die emotional nahe Betreuung am Kind, das zuverlässige Bindungsverhältnis und die vetrauensvolle und intensive Elternarbeit, die bei der Tagespflege besonders geboten wird. Meine Eltern sind der Meinung, dass diese Art der Betreuung, gerade für das Alter der null – dreijährigen,besonders wichtig ist. Ich kann nicht verstehen, dass die Politik so kontraproduktiv handelt.

    Kommentar von Rahel Fey | August 23, 2008 |

  2. Liebe Rahel,

    ich kann Deinem Kommentar in vollem Umfang nur zustimmen.

    Die sterulichen Neuerungen für 2009 werden sich definitiv als kontraproduktiv erweisen. Das Fazit, dieses nicht zu Ende gedachten Einschnitts, in die Komplexität des Themas Kinderbetreuungsausbau/Kindertagespflege, wird sein, dass die Betreuungssituation noch angespannter werden, wird, da

    * entweder Betreuungsstellen in Tagespflege gänzlich wegfallen, oder eben so

    * teuer werden (nicht zur Bereicherung der Tagesmutter, sondern zur Deckung der immensen Mehrausgaben!!!, und zur Füllung von Herrn Steinbrücks Steueretat, der leeren Rentenkassen, und der strapazierten Krankenkassenhaushalte!!!),

    dass sich lediglich besserverdienende Eltern, diese Form der Kleinkindbetreuung und -förderung leisten können.

    Uns Tagespflegepersonen steht ein Verlust in Höhe von fast 50% unseres Einkommens ins Haus. Diesen werden wir keinesfalls alleine tragen, soweit geht unser soziales Engagement nun auch wieder nicht. Selbstverständlich werden diese Mehrbelastungen an all jene weitergegeben, die unsere Dienstleistung in Anspruch nehmen, bzw. bezahlen. Das ist bei der Erhöhung der MWST, der Mineralölsteuer oder bei vergleichbaren diktierten Preiserhöhungen nicht anders.
    Diese werden auch umgehend an den Endverbraucher weitergegeben, ohne mit der Wimper zu zucken. Bei uns sind das eben die Eltern und natürlich auch die Kommunen, welche z.T. an der Finanzierung beteiligt sind.

    Ein, uns von der Regierung auferlegter Verlust von 49% bedeutet rein rechnerisch, einen Preisansteig für Tagespflege um 100%.

    Und jetzt frage ich mich, wer solch eine Entwicklung noch gut heist???

    Es gibt offenbar Personen an politisch einflussreichen Stellen, die nicht einmal die Grundrechenarten beherrschen.

    Soviel zu Thema Bildung!

    Umso wichtiger ist unsere Arbeit; schon den Kleinsten eine fundierte Förderung und Bildug zukommen zu lassen, dass solche Faux pas in Zukunft nicht mehr passieren.

    In diesem Sinne, ein schönes Wochenende

    Nadine Behr, Tagesmutter aus Kiel

    Kommentar von puepikiel | August 23, 2008 |

  3. Auch bei uns in Österreich ist die Situation der Tagesmütter schwieriger geworden.
    Aus der Zeitschrift “KOMPETENZ” der Gewerkschaft der Privatangestellten 09.2008:
    “DIE KÄRNTNER TAGESMÜTTER WEHREN SICH
    Über 400 Tagesmütter und Eltern haben am 03.04.08 mit einem Protestmarsch vor der Kärntner Landesregierung gegen die unerträgliche finanzielle Situation protestiert.
    Was durch den Protest erreicht wurde:
    1.Die Besteuerung der Aufwandsentschädigung wurde rückwirkend zurückgenommen.
    2.Einmalhilfe an jede TAGESMUTTER in der Höhe von 450 Euro.
    3.Eine Abänderung des Finanzierungssystems der Tagesmütter auf Landesebene für das Jahr 2008 wird im Herbst präsentiert”.
    ****
    Seit September werden in Niederösterreich Kinder ab 2 1/2 Jahren, statt früher ab 3 Jahren, in den öffentlichen Kindergärten aufgenommen. Weil der Bedarf so groß ist, wurden in vielen niederösterreichischen Gemeinden CONTAINERKINDERGÄRTEN errichtet.
    Auch die bestehenden Kinderkrippen nehmen die Eltern gerne in Anspruch.
    Es ist schade, daß die Betreuung unserer Kinder,
    unserer Zukunft,
    unseres größten Schatzes,
    der Gesellschaft so wenig wert ist!
    Ich bin ja inzwischen schon eher zur Tagesoma geworden und genieße und brauche die freie Zeit,die ich durch diese Entwicklung jetzt habe.
    Ich wünsche ALLEN TAGESMÜTTERN viel KRAFT und FREUDE bei ihrem so wichtigen und großartigen Beruf!!!
    Elisabeth, Tagesmutter in Österreich.

    Kommentar von draupadi16 | September 12, 2008 |

  4. Ich finde auch Eltern von Tageskindern sollten sich in diese Diskussion einschalten.
    Wir haben uns bewusst für einen Platz bei einer Tagesmutter für unsere 1-jährige Tochter entschieden, weil wir die Betreuung intensiver und das Vertrauensverhältnis besser finden als in einer Kita. Die Gruppengröße entspricht ebenfalls unseren Vorstellungen von Betreuung von Kleinkindern.

    Nun können wir es uns ab dem nächsten Jahr wohl nicht mehr leisten unser Kind so individuell von einer Tagesmutter betreuen zu lassen, wie wir uns das vorstellen.
    Wenn die Tagesmütter ihre Einkommensverluste auf den Beitrag der Eltern umlegen müssen, weil ihnen gar nichts anderes übrig bleibt, wird wohl vielen Eltern ebenfalls nichts anderes übrig bleiben als ihre Kinder doch in einer Kita betreuen zu lassen, auch wenn das nicht ihren Vorstellungen entspricht.

    Eltern haben an dieser Stelle also auch nicht mehr die freie Wahl ob Kita oder Tagesmutter und das finde ich nicht fair.

    Deshalb finde ich, auch Eltern sollten für die Rechte der Tagesmütter kämpfen.

    Kommentar von bpet | September 12, 2008 |


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